Dr. Martens & die Rebellion Teil 1


Doc Martens sind wohl die Klassiker unter den Schnürstiefeln, doch wie wurde aus einem Schuh ein Kultschuh, welcher Szene ist er eigentlich zuzuordnen und warum steht er bis heute für Rebellion?
Beginnen wir ganz am Anfang der Firmengeschichte mit Dr. Klaus Märtens, einem deutschen Arzt, der kurz nach dem zweiten Weltkrieg einen stabilen Schuh entwickeln wollte, der leichter und weicher war als die damals gängigen Arbeitsschuhe. 
Dr. Märtens soll durch seinen Skiunfall auf die Idee gekommen sein, weil er eine schnellere Genesung und Entlastung seiner Füße erhoffte.
Gummi war bis dahin noch nicht in der Modeindustrie verwendet worden, die Sohlen der damaligen Schuhe also hart, schwer und dick. Etwa zur gleichen Zeit brachten interessanterweise auch englische Soldaten die Ursprungsvariante der Creeper aus Nordafrika nach London, deren Sohlen ebenfalls aus Gummi hergestellt sind.
Wie bei vielen anderen Kleidungsstücken wuchs das Bedürfnis nach Bequemlichkeit und Alltagstauglichkeit.
Gemeinsam mit einem Freund setzte er nun seine Ideen in die Realität um und fertigte aus der Not heraus aus alten Soldatenuniformen und Gummiresten der Luftwaffe Schuhe, die deutlich bequemer als damals üblich und noch dazu ein Recycling Produkt waren. 
Aus heutiger Perspektive auf den Bekannteheitsgrad und Kult von Docs ist es ein bisschen witzig, dass zu Beginn die meisten Interessenten ältere Hausfrauen waren, die den Komfort wohl besonders zu schätzen wussten. 
Schnell wurden die Schuhe beliebt und die Verkaufszahlen stiegen, Dr. Märtens und sein Freund und Geschäftspartner Herbert Funck eröffneten Anfang der 50er Jahre die erste Fabrik in München und produzierten im größeren Stil hunderte verschiedene Ausführungen der bequemen neuen Schuhe.
Bill Griggs, ein britischer Geschäftsmann wurde auf die revolutionäre neue, weiche Gummisohle aufmerksam und erwarb zu Beginn der 50er die Lizenzen von Dr. Märtens.
Das Design wurde verändert und moderner, die typische gelbe Naht, welche Sohle und Leder des Schuhs fest verbindet und die vielschichtige Gummisohle wurde zum Erkennungsmerkmal. Der Firmenname verweist bis heute auf den Erfinder der Dr. Martens.
Nun nahm alles rasant Fahrt auf, am 01.04.1960 gingen die ersten Schnürstiefel in England in Produktion- ein geschichtsträchtiges Datum, welchem der klassischen 8-Loch Stiefel bis heute den Namen 1460 verdankt.
Sämtliche Berufsgruppen, die viel zu Fuß unterwegs waren, deckten sich nun mit den neuen Schuhen mit ‚bouncing soles’ ein.
Postboten, Polizisten, Milchmänner und Soldaten waren dankbar für günstige, bequeme strapazierfähige und wasserfeste Lederstiefel und machten Docs so zum Symbol der Arbeiterklasse.
Der Erste, der dieses Symbol politisch nutzte, um seine Verbundenheit und Solidarität mit den Arbeitern zu demonstrieren, war der sozialistische Abgeordnete Tony Benn.
Wie bei allen Kleidungsstücken, die ihren Ursprung in der Arbeiterschaft haben, dauerte es auch bei Docs noch eine zeitlang, bis sie Teil der Jugendbewegung wurden. 

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